2. Mai 2021 | Allgemein

Mein Wort zum Sonntag

Mein Wort zum Sonntag vom 24. April 2021 

Ihr Lieben,  

wie ich schon in den letzten beiden Wochen erklärte, haben die sechs Sonntage nach Ostern lateinische Namen, weil Latein die Kirchensprache des Mittelalters war. Morgen ist „Jubilate“ (jubelt!) – Psalm 66,1 liegt diesem Titel zugrunde: Jauchzet Gott, alle Lande!“. Psalm 66 ist ein Danklied eines unbekannten Verfassers für die Wunder der Schöpfung und die wunderbaren Führungen Gottes in der Geschichte des Volkes Israel. In einer Erklärung der Evangelischen Kirche lese ich dazu sehr treffend:  

Jubilate ist der Sonntag der Neuschöpfung: Erinnerung an die erste Schöpfungsgeschichte, Jubel über die Auferstehung als Neuschöpfung, Hoffnung auf den verheißenen neuen Himmel und die neue Erde.  

https://www.kirchenjahr-evangelisch.de/article.php#966 

Aber kann man das Jubeln einfach so befehlen? Es gibt doch auch Zeiten der Trauer und Lebensphasen voller Sorgen. Gestern musste ich in Lüdenscheid einen guten Freund beerdigen, er hatte vor ein paar Wochen plötzliche Hirnblutungen bekommen und ist nach einiger Zeit daran verstorben. Wir hatten zusammen mit vielen anderen um eine Genesung gebetet. Das ist nicht erhört worden. Da ist einem absolut nicht nach Jubeln und Freudentanz zumute.  

Die Verse 10-12 des Psalms 66 nennen auch solche bitteren Erfahrungen ausdrücklich. Aber der Verfasser blickt dann über den Horizont des Leids und der Bedrückung hinaus und dankt Gott, dass er dem allen ein Ende gesetzt hat. Und so hat die oben zitierte Erklärung der evgl. Kirche ihr volles Recht: Die Auferstehung als Neuschöpfung, die Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde (siehe Offenbarung 21) kann das Leid überstrahlen. Der Tod hat nicht das letzte Wort. Das ist unsere Überzeugung – und auch unsere Botschaft angesichts der Gräber. 

Corona hat uns immer noch fest im Griff. Inzwischen gelten wieder strengere Regeln – aber wie lange soll das noch dauern? So ganz allmählich verzieht sich auch der unerträglich schleppende Beginn der Impfkampagne. Wir haben für Mittwoch endlich unseren ersten Termin bekommen. Aber bis wir wieder ein normales Leben führen können, ist noch ein weiter Weg. Unser Gemeindeleiter Markus Jäger hat sich genau dazu einige Gedanken gemacht, das lesen wir auf den nächsten Seiten. 

Herzlichst 

Wolfgang Buck

  

 Liebe Gemeinde,  

ich empfinde, wir alle sind gerade müde geworden, was auch verständlich ist. Ich weiß noch, wie wir (Lars, meine Frau und ich) aus Karlsruhe vom Willow Creek-Kongress vorzeitig nach Hause geschickt wurden, weil sich einer der Referenten mit Corona infiziert hatte.  

Das war meine erste bewusste „Berührung“ mit Corona und führte zu meiner ersten Einschränkung in diesem Zusammenhang. Das ist über ein Jahr her. Und ich war überzeugt, dass der „Spuk“ spätestens im Sommer vorbei ist; heute weiß ich: eine klassische Fehleinschätzung.  

Die Pandemie setzt uns emotional und psychisch immer mehr zu. Wir sind müde von den Einschränkungen, den teilweise schwer verständlichen und manchmal gefühlt widersinnigen Regelungen, den Eingriffen in unsere lieb gewordenen Grundrechte und unseren eigenbestimmten Alltag. Der Unmut steigt, nicht nur in Deutschland. Die Politik macht angeblich alles falsch und – plakativ gesagt – jeder von uns weiß, wie es besser geht.  

Was hat das alles mit uns als Gemeinde zu tun?  

Sind wir als Gemeinde wirklich noch Teil dieser Gesellschaft? Vor 100 Jahren hat unsere Gemeinde noch unser Dorf geprägt. Keine Kneipe konnte sich mehr halten, weil die Leute zum Glauben kamen und nicht mehr tranken. 

Aber wie sollten wir uns als Christen in der heutigen Zeit verhalten? Und wie gehen wir konkret damit um? Sich nur zurückziehen und Gott um Schutz für sich selbst und seine Lieben bitten?!? Oder gar Verschwörungstheorien folgen, weil dort alles so klar und einfach klingt?!? Oder in Angst und Panik verfallen, was alles noch passieren wird 

Als Hauskreis arbeiten wir gerade den 1. Thessalonicher Brief durch, und zwar unter dem Oberthema „Comeback stronger“ (zu Deutsch: gestärkt zurückkommen). Dabei spüren wir, dass Glaube damals wie heute eine Herausforderung ist und sich bewähren muss.  

Aber wir haben einen allmächtigen Gott, der es nicht nur gut mit uns meint, sondern uns liebt; mit unseren Fehlern, Macken, Unzulänglichkeiten und unserer Ungeduld, mangelnder Liebe und Verzagtheit. 

„In der Krise zeigt sich der Charakter“ (Helmut Schmidt), weil sich dann die Basis meines Lebens tief im Inneren zeigt. Was gibt mir Mut und Kraft? Was prägt mich wirklich? Wer darf mich prägen? Wenn nicht wir als Kirchen und Gemeinden jetzt etwas zu bieten haben, wer dann? Die Politik? Die Wirtschaft? Das Recht? Die Moral? Die vielfältigen Ablenkungen? 

Die ersten Christen hatten nichts anderes als den erlebten Glauben an einen auferstandenen Christus und haben das erzählt, was sie selber erlebt und erfahren haben. Manchmal habe ich das Gefühl, fast 2.000 Jahre Christentum haben uns das verwässert.  

Dabei haben wir unserem Umfeld viel zu geben: Stärke, Weisheit, Besonnenheit, Dankbarkeit, Geduld, Mitgefühl, Liebe. Aber nicht aus uns heraus, sondern aus der Quelle von alledem, von Gott selber! Wo und wann ist das bei uns verloren gegangen? Wo ist unser Mut geblieben, positiv vorwärts zu gehen, mit Gott an unserer Seite und Ihn immer fragen, wohin es gehen soll, was jetzt gefordert ist.   

Ja, die Einschränkungen ärgern mich auch. Ich würde mir auch einen klareren Kurs der Politik wünschen. Ich vermisse die Gemeinschaft in der Gemeinde, den Austausch über alles Mögliche bei einem leckeren gemeinsamen Essen. Die Zeit mit lieben und wertvollen Menschen. Doch ich will mich nicht davon runterziehen lassen, sondern daran festhalten, dass der treue Gott zugesagt hat, immer bei mir zu sein, mit mir zu gehen und mich zu einem guten Ende zu führen.  

Viele Menschen sind verzweifelt, sind einsam. Viel zu viele Menschen sind an Corona gestorben (allein in Deutschland über 80.000)andere leben mit den Spätfolgen der Erkrankung, sind schwach und vor allem rat- und hilflos. Was können wir ihnen als Christen geben? – Nicht billigen Trost, sondern Gottes Frieden 

Frieden! Nicht nur den äußerlichen Frieden (den wir als Land dankbar seit über 60 Jahren erleben dürfen), sondern auch den innerlichen.  

Ich wünsche es mir; ich wünsche es Dir.  

Übrigens: 

„Jesu Frieden verändert“ ist das Thema des morgigen Gottesdienstes mit Pastor Friedbert Schwalb aus Erdbach Ich lade Dich herzlich dazu ein, am Live-Stream dran teilzunehmen und aufzutanken.  

Euer 

Markus Jäger