28. März 2021 | Allgemein

Mein Wort zum Sonntag

Mein Wort zum Sonntag vom 27. März 2021

Ihr Lieben,  

das war in dieser Woche schon ein einmaliger Vorgang: Die Bundeskanzlerin nimmt einen Schnellschuss zurück und entschuldigt sich öffentlich. Alle Achtung, das war mutig und ehrlich!  

Als ich von den „geplanten „Ruhetagen“ hörte, war mein erster Gedanke: Das geht doch juristisch gar nicht. Gesetzliche Feiertage sind Ländersache, müssen dort durch die Parlamente – und was ist so ein „Ruhetag“ eigentlich? Ein bezahlter Urlaubstag? – Dann protestieren die Arbeitgeber. Ein unbezahlter Urlaubstag? – Dann protestiert die Bevölkerung. Gut gemeint, aber nicht zu Ende gedacht.  

So etwas gibt es leicht, wenn man noch mitten in der Nacht meint, einen Beschluss erzwingen zu können. Denn da sind die beratenden Juristen und Fachreferenten, die sonst die Beschlüsse fachlich vorbereiten und meist mit am Tisch sitzen, längst im Bett oder ebenso hundemüde wie die PolitikerInnen. 

Nicht umsonst empfehlen wir in den Ehekursen den Paaren die sog. 10-Uhr-Regel: Nach 10 Uhr abends keine Streitthemen diskutieren oder schwerwiegende Entscheidungen treffenEs lohnt sich nichtdenn am nächsten Morgen sieht Manches anders aus. Vielleicht sollte sich die 10-Uhr-Regel auch in der Politik und in den Gemeinden😊 durchsetzen.  

Eigentlich hatten wir im Blick auf die Pandemie alle gehofft, Ostern sei endlich das Schlimmste vorbei. Fehlanzeige. Die Inzidenzen schnellen in die Höhe, und eine Corona-Verordnung jagt in kurzem Abstand die andere. Ab heute gelten ganz strenge Maßstäbe. Gottesdienste ganz zu verbieten, ist juristisch schwierig, weil die Kirchen (auch unser Bund FeG) als Körperschaft des öffentlichen Rechts eine weitgehende Selbstverwaltung haben. Aber man kann die Zusammenkünfte einschränken: Neuerdings nur noch eine Person auf 20 Quadratmeter. Damit liegen wir unter Hauskreisgröße. Gleichzeitig höre ich von harscher Kritik von Nichtchristen, die nicht verstehen können, dass Sportvereine usw. schließen müssen, aber Gemeinden nicht.  

Deshalb werden wir ab morgen früh unsere Gottesdienste leider nur noch im Videostream anbieten, also vorerst keine Präsenz-Gottesdienste mehr. 

Wir haben in den letzten Wochen ja diese großartige Möglichkeit geschaffen (auch durch zweckgebundene Spenden), per Videostream (fast) überall in den Häusern präsent zu sein. Auch eine Folge der Pandemie.  

So schnell ändern sich die Zeiten und damit auch die technischen Möglichkeiten. Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als es bei uns im Ort nur ganz wenige Telefone gab. Und kaum jemand hatte einen Fernseher. Wenn es ein Fußballspiel gab, saßen die Männer traubenweise um die wenigen kleinen Schwarzweiß-Flimmerkisten herumAls dann zur Olympiade 1972 die ersten Farbfernseher kamen, war das für viele eine Sensation, aber fast unerschwinglich teuer. Aber es setzte sich durch.  

Ähnlich ist es mit den Computern. Auch ich sagte früher einmal: „Brauche ich wahrscheinlich nicht“, aber wie heißt es so schön: „Das Leben zwingt uns manchmal zu allerhand freiwilligen Handlungen.“ Heute ist auch im Gemeindealltag der Computer nicht mehr wegzudenken, sonst gäbe es auch dieses „Wort zum Sonntag“ nicht. – Oder ich müsste es auf der Schreibmaschine auf eine Matrize tippen, mit einem Spirit-Umdrucker vervielfältigen (erinnert Ihr Euch noch an die stinkenden Dinger??) und von Haus zu Haus austragen. 

Karfreitag und Ostern sind unsere wichtigsten Feiertage, viel wichtiger als Weihnachten, das man bis etwa zum Jahr 340 n.Chr. gar nicht kannte. Gerade am Karfreitag denken wir besonders intensiv an das, was Jesus für uns tat – und was wir in jeder Abendmahlsfeier bedenken. Und Ostern als Fest der Auferweckung begründet unsere Hoffnung. Paulus schreibt den Korinthern, wie zentral wichtig das ist. Es lohnt sich, den Kerntext in 1.Korinther 15, 12-20 einmal ganz bewusst zu lesen. 

Wir haben einige Jahre über Ostern Camper-Freizeiten am Lago Maggiore mitgestaltet. Das ist in Norditalien, und wir staunten anfangs nicht schlecht, dass dort der Karfreitag gar kein Feiertag ist. Auch die 2. Feiertage an den großen Festen kennt man auch in vielen christlich geprägten Ländern (z.B. USA) gar nicht. 

Auf die Feiertage kommt es also weniger an als auf die Inhalte. Natürlich ist es schön, gemeinsam Ostern zu feiern, aber viel schöner und wichtiger ist es doch, einen lebendigen Herrn und eine lebendige Hoffnung zu haben – egal, was da kommt. Und auch wenn wir den Karfreitag und den Ostersonntag in diesem Jahr am Bildschirm miterleben – ist es besser als gar nicht! 

In diesem Sinne grüße ich Euch alle ganz herzlich, 

Euer Wolfgang Buck

 

P.S.  

Morgen früh wird Erhard Michel bei uns (im Stream) sein. Er hat als junger Pastor in unserer Inland-Mission gearbeitet, u.a. die FeG Würzburg gegründet – und war zuletzt Missionsleiter der Allianzmission.